{"id":40,"date":"2023-03-04T11:04:00","date_gmt":"2023-03-04T10:04:00","guid":{"rendered":"https:\/\/redenhilft.richling.de\/?p=40"},"modified":"2023-03-11T07:54:44","modified_gmt":"2023-03-11T06:54:44","slug":"beschuetzer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.focusing-reise.de\/?p=40","title":{"rendered":"Besch\u00fctzer"},"content":{"rendered":"\n<p><em>(Lesezeit: ca. 15 Minuten)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die Bestrebung, unsere Anteile in Kategorien einzuteilen und ihnen eing\u00e4ngige Namen zu geben, ist wohl ebenso alt wie das Denken \u00fcber die Anteile selbst. Besonders vertraut ist uns wohl das Modell, das Siegmund Freud 1923 in der gleichnamigen Schrift &#8222;Das Ich und das Es&#8220; ver\u00f6ffentlichte. In Freuds <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Strukturmodell_der_Psyche\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Strukturmodell_der_Psyche\" target=\"_blank\">Strukturmodell der Psyche<\/a> achtet das \u00dcber-Ich auf die Einhaltung von Werten und Normen, das Es ist das geheimnisvolle triebhafte Wesen in uns, und das Ich darf zusehen, wie es mit diesen Extremen zurecht kommt, w\u00e4hrend es sich bem\u00fcht, im Alltag irgendwie zu funktionieren. <br> <br> Allgemein bekannt ist auch das Ich-Zustands-Modell der <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Transaktionsanalyse\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Transaktionsanalyse\" target=\"_blank\">Transaktionsanalyse<\/a>, in der zwischen Eltern-Ich, Erwachsenen-Ich und Kindheits-Ich unterschieden wird. Und hier stellen wir fest, dass die Zahl 3 bei solchen Modellen sehr beliebt ist. Nat\u00fcrlich gibt es auch Ausnahmen, wie zum Beispiel das eher offen gehaltene Innere Team von Friedemann Schulz von Thun (seht euch seine <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.inneres-team.de\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.inneres-team.de\/\" target=\"_blank\">gro\u00dfartige Seite<\/a> dazu an! Ich liebe die <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.inneres-team.de\/visualistin\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.inneres-team.de\/visualistin\" target=\"_blank\">Darstellung des Burnout-Dreamteams<\/a>!), doch die allermeisten Beispiele, die mir pers\u00f6nlich einfallen, arbeiten mit einer solchen &#8218;Dreieinigkeit&#8216;.<br><br> Das Modell des <strong><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/focusingresources.com\/learning\/getting-free-a-year-of-untangling\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/focusingresources.com\/learning\/getting-free-a-year-of-untangling\/\" target=\"_blank\">Inner Relationship Focusing<\/a><\/strong>s ist da keine Ausnahme. Hier hei\u00dfen die Kategorien <strong>Protector<\/strong> (Besch\u00fctzer), <strong>Defender<\/strong> (Verteidiger) und <strong>Small-One<\/strong> (das Kleine). (<em>Anmerkung: da es derzeit noch keine offzielle \u00dcbersetzung der Begriffe gibt, verwende ich vorerst meine eigene<\/em>) Am letzten Donnerstag ging es bei uns in der <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/focusingresources.com\/learning\/focusing-resources-certification-as-an-inner-relationship-focusing-professional\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/focusingresources.com\/learning\/focusing-resources-certification-as-an-inner-relationship-focusing-professional\/\" target=\"_blank\">Ausbildung<\/a> um die <strong>Besch\u00fctzer<\/strong> und weil ich das Thema super-spannend finde und der Ansatz, den <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/focusingresources.com\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/focusingresources.com\/\" target=\"_blank\">Ann Weiser Cornell und Barbara McGavin<\/a> dort vorstellen, sich von allem unterscheidet, was mir bislang begegnet ist, m\u00f6chte ich euch hier davon erz\u00e4hlen.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"183\" height=\"275\" src=\"https:\/\/blog.focusing-reise.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Lauterbach.jpg\" alt=\"Karl Lauterbach\" class=\"wp-image-70\"\/><figcaption>Einer meiner Besch\u00fctzer sieht aus wie Karl Lauterbach (Ersteller\/Lizenshaber des Bildes: Martin Kraft)<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Lernen wir den Besch\u00fctzer kennen<\/h2>\n\n\n\n<p>Grob gesagt entspricht der Besch\u00fctzer wohl dem \u00dcber-Ich oder dem Eltern-Ich. Der gegenw\u00e4rtig beliebteste Name ist der Innere Kritiker. Und wir m\u00fcssen ihn nicht kennenlernen, wir kennen ihn alle. Das ist dieser ewige N\u00f6rgler, Besserwisser und Moralapostel, der uns sagt, was wir tun und lassen sollten. Die Stimme, die uns einfl\u00fcstert, dass wir nicht gut genug sind und es niemals sein werden, das Gedankenkarussell, in dem wir uns unerm\u00fcdlich drehen, das schlechte Gewissen, das uns bis in den Schlaf verfolgt, der verbissene Antreiber, der uns keine Pausen g\u00f6nnt, bis wir irgendwann zusammenbrechen. Er ist die Enge, die unseren Hals, unsere Brust einschn\u00fcrt und uns den Atem nimmt. Und dann googelt er auch noch die Symptome. Er macht uns fertig.<br><br>Allerdings muss es nicht immer die Peitsche sein. Manchmal ist es auch das Zuckerbrot. Das innere Lob, das Gef\u00fchl, ganz besonders toll, klug, herausragend zu sein, zumindest ein kleines bisschen besser als die anderen bedauernswerten armen, kleinen W\u00fcrstchen, die nicht mit unserem Weitblick gesegnet sind und denen wir nur zu gerne aushelfen. Manche Besch\u00fctzer haben immer einen guten Ratschlag parat (&#8222;Kopf hoch, sieh&#8217;s mal positiv&#8230;&#8220;), und andere nehmen es mit den Zuckerbrot w\u00f6rtlich (&#8222;G\u00f6nn Dir das ruhig, das hast Du Dir verdient&#8220;).<\/p>\n\n\n\n<p>Doch davon abgesehen, sind Besch\u00fctzer alles andere beliebt und so verwundert es wenig, dass in den meisten Newslettern und Ratgebern, die ich im vergangenen Jahr zu dem Thema gelesen habe, dazu geraten wird, den sogenannten inneren Kritiker, zu z\u00e4hmen, mit ihm zu diskutieren (&#8222;<em>Au\u00dferdem k\u00f6nnen wir dem negativen Erlebnis ein paar kleine und gro\u00dfe Erfolge gegen\u00fcberstellen, die beweisen, dass wir eben kein \u201eVersager\u201c sind&#8220;<\/em>) oder ihm notfalls, vor allem dann, wenn wir der Kritik nichts Konstruktives abgewinnen k\u00f6nnen die T\u00fcr zu weisen (&#8222;<em>Zielt die Kritik jedoch lediglich darauf ab, Selbstwert und Selbstliebe zu untergraben, hat sie in unserem Leben nichts zu suchen.<\/em>&#8220; &#8211; Zitate: <a href=\"https:\/\/instahelp.me\/de\/magazin\/selbstwert\/mehr-selbstliebe-den-inneren-kritiker-zaehmen\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/instahelp.me\/de\/magazin\/selbstwert\/mehr-selbstliebe-den-inneren-kritiker-zaehmen\/\">instahelp.me<\/a>)<\/p>\n\n\n\n<p>Den inneren Kritiker zu verbannen, erscheint sehr nachvollziehbar. Ich pers\u00f6nlich habe damit zwei Probleme:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Es funktioniert nicht. Zumindest bei mir. Das hei\u00dft, kurzfristig schon. Zum Beispiel kann ich dann, wenn sich der Kritiker meldet, mich auf meinen Atem konzentrieren und das so lange tun, bis es wieder ruhig ist in meinem Kopf. Doch sobald der Stress-Level steigt und ich einen Fehler mache, ist er &#8211; schwups &#8211; wieder da. Oder noch schlimmer: er gibt es tats\u00e4chlich auf, verbal meine Aufmerksamkeit zu erlangen und wird zu einem k\u00f6rperlichen Ph\u00e4nomen &#8211; zu einer Dauerverspannung in den Schultern, einem Gef\u00fchl st\u00e4ndiger Unruhe oder bleierner M\u00fcdigkeit.<\/li><li>Das zweite Problem wird deutlich, sobald wir uns in die Perspektive des Besch\u00fctzers versetzen. Ich denke, wie alle kennen das Gef\u00fchl, wenn wir uns vor lauter Fremdsch\u00e4men winden, wenn wir einen Kandidaten in einer Casting-Show erleben, der vollkommen talentfrei ist, hingegen vor Selbstbewusstsein strotzt und die Jury bep\u00f6belt. Oder den Frust, den wir empfinden, wenn eine Freundin uns seit Monaten in den Ohren liegt, wie genervt sie von ihrem toxischen Partner oder ihrem furchtbaren Job sei&#8230; ohne in die G\u00e4nge zu kommen, etwas in ihrer Situation zu \u00e4ndern. Ganz zu schweigen von der unbeschreiblichen Hilflosigkeit, die wir empfinden, wenn jemand, der uns am Herzen liegt, sich selbst verletzt oder Alkohol oder andere Drogen missbraucht.<br><br>Wagen wir es dann, uns dann ein Herz fassen und das Thema auf den Tisch bringen&#8230; und die andere Person dann defensiv oder aggressiv reagiert, es sch\u00f6nredet oder sogar den Kontakt abbricht, m\u00f6glicherweise f\u00fcr immer&#8230; das f\u00fchlt sich nicht gut an. Wir f\u00fchlen uns verletzt, nicht geh\u00f6rt, die Verbindung ist dahin und vielleicht \u00fcberlegen wir sogar, aus Selbstschutz heraus unsererseits die Beziehung zu beenden.<br><br>Wenn wir uns das durch den Kopf und den Bauch gehen lassen, k\u00f6nnen wir vielleicht nachvollziehen, wie es unserem Besch\u00fctzer gehen mag, wenn er den Eindruck hat, dass wir gerade dabei sind, uns gef\u00fchlt vor der ganzen Welt l\u00e4cherlich zu machen, er der Meinung ist, dass wir dringend etwas an unserer Lebenssituation, in der wir ungl\u00fccklich sind, \u00e4ndern sollten oder  wir seiner Wahrnehmung nach bedenklich oft zu Suchtmitteln greifen. Wie er sich f\u00fchlt, wenn wir ihn dann abweisen. Mit dem Unterschied, dass er die Beziehung nicht beenden kann. Er ist ein Teil von uns, ob er und wir das wollen oder nicht.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"640\" height=\"427\" src=\"https:\/\/blog.focusing-reise.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Scham.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-116\"\/><figcaption>Bild von <a href=\"https:\/\/pixabay.com\/de\/users\/ryanmcguire-123690\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/pixabay.com\/de\/users\/ryanmcguire-123690\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Ryan McGuire <\/a>auf <a href=\"https:\/\/pixabay.com\/de\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/pixabay.com\/de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Pixabay<\/a><\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Mein Zugerlebnis und seine Folgen<\/h2>\n\n\n\n<p><em>(Triggerwarnung: sexuelle Bel\u00e4stigung)<\/em> Nun f\u00e4llt es vermutlich relativ leicht, Mitgef\u00fchl mit Besch\u00fctzern zu haben, deren Sorgen und Verhalten wir nachvollziehen k\u00f6nnen. Was (zumindest mir) deutlich schwerer f\u00e4llt, ist, Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr zu haben, wenn die Kritik schwer begr\u00fcndbar ist. Wenn ich schon in den Seilen h\u00e4nge und mein &#8218;Besch\u00fctzer&#8216; mich dennoch zum Weitermachen antreibt. Wenn ich mir alle M\u00fche gebe und es trotzdem nicht gut genug ist. Und besonders befremdlich ist es, wenn Besch\u00fctzer Menschen attackieren, die zum Opfer der Handlungen anderer geworden sind. Von so einem Erlebnis m\u00f6chte ich hier erz\u00e4hlen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als ich 19 Jahre alt war, pendelte ich regelm\u00e4\u00dfig mit dem ICE zu meinem damaligen Freund. Eines Tages, es geschah auf der R\u00fcckfahrt, sa\u00df ich dabei neben einem Mann. Er sprach mich an und wir plauderten freundlich miteinander. Unter anderem erz\u00e4hlte er mir von seiner Partnerin, die in der n\u00e4chsten Stadt wohne und die er besuche. So weit, so gut. Und dann ergriff er meine Hand. Ich war \u00fcberrascht, lie\u00df es aber geschehen und sagte mir, dass es ihm vielleicht gerade nicht gut gehe und dieser Kontakt f\u00fcr ihn wohltuend sei&#8230; Tja und dann wanderten seine H\u00e4nde zu meinen Br\u00fcsten und begannen, sie zu bef\u00fchlen und zu dr\u00fccken. Und was tat ich? Ich schrie nicht auf, ich sagte nicht &#8222;Stop&#8220;, ich sprang nicht auf&#8230; ich erstarrte und lie\u00df es geschehen. Es war, als bef\u00e4nde ich mich in einem Traum, vollkommen surreal. Ich glaube, Menschen sahen zu mir hin. Ich sah zur\u00fcck und l\u00e4chelte. Nur nichts anmerken lassen. Bald w\u00fcrden wir die n\u00e4chste Station erreichen. Die, in der seine Partnerin wohnte. Dann w\u00fcrde es vorbei sein und alles w\u00e4re wieder gut.<\/p>\n\n\n\n<p>Die n\u00e4chste Station kam. Seine Partnerin stand am Gleis, lachte und winkte. Mir war \u00fcbel. Der Gedanke kam, sie zu warnen. Keine Ahnung wie. Ich sa\u00df noch immer da, wie erstarrt. Er stand auf, gr\u00fc\u00dfte freundlich und ging. <\/p>\n\n\n\n<p>Zuhause erz\u00e4hlte ich es niemandem. Meinen Eltern nicht, aus Angst, dass sie mich dazu dr\u00e4ngen k\u00f6nnten, Anzeige zu erstatten. Auch sonst niemandem. Ich wollte einfach nur, dass es vorbei ist. War es nat\u00fcrlich nicht. Nicht in mir. Da war eine riesengro\u00dfe Wut, die sich auf M\u00e4nner richtete. Auch auf die, die mir nichts getan hatten. Das war ungerecht, f\u00fchlte sich jedoch irgendwie auch gut an. Ein bisschen wie Rache. St\u00e4rkend.<\/p>\n\n\n\n<p>Gleichzeitig war da noch etwas anderes. Da war eine Stimme, die mich eine naive Ziege nannte, die sich im Zug befummeln lie\u00df und dabei auch noch l\u00e4chelte, anstatt nach Hilfe zu rufen. Wie bescheuert war das denn? Wie schwach, wie erb\u00e4rmlich!<\/p>\n\n\n\n<p>Heute wei\u00df ich, dass es sich dabei um einen Besch\u00fctzer handelte. Auch wenn sich das ganz und gar nicht wie besch\u00fctzt-werden anf\u00fchlte. Im Gegenteil. Ich f\u00fchlte mich elend, wand mich unter den Vorf\u00fcrfen und es kam mir so vor, als w\u00e4re da jemand, der mir immer wieder aufs Neue Salz in die Wunde streute. Und da mir das Wissen und das Werkzeug fehlten, um gut damit umzugehen, brauchte es Jahre und eine Reihe zuf\u00e4lliger, hilfreicher Impulse, bis die Attacken an Wucht verloren.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.focusing-reise.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Handschlag.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-114\" width=\"318\" height=\"477\"\/><figcaption>Bild von <a href=\"https:\/\/pixabay.com\/de\/users\/4in-801858\/?utm_source=link-attribution&amp;utm_medium=referral&amp;utm_campaign=image&amp;utm_content=649713\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/pixabay.com\/de\/users\/4in-801858\/?utm_source=link-attribution&amp;utm_medium=referral&amp;utm_campaign=image&amp;utm_content=649713\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">kATHRYN rOZIER<\/a> auf <a href=\"https:\/\/pixabay.com\/de\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/pixabay.com\/de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Pixabay<\/a><\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der neue Weg: Neugier und Mitgef\u00fchl<\/h2>\n\n\n\n<p>Heute begreife ich, dass ich Angst vor dieser Stimme hatte, die mich eine naive Ziege nannte. Oder besser gesagt: ich identifizierte mich mit etwas in mir, das Angst vor dieser Stimme hatte. Und ich habe den Eindruck, dass alle, die ihre Besch\u00fctzer &#8218;innere Kritiker&#8216; nennen und mit ihnen diskutieren oder sie wegschicken wollen, das aus einem Zustand der Identifikation heraus tun.<\/p>\n\n\n\n<p>Und genau hier liegt f\u00fcr mich das Geschenk, das mir Ann und Barbara mit ihrem Ansatz beim Inner Relationship Focusing machen. Dass er aus dieser Identifikation herausf\u00fchrt und so Ver\u00e4nderung m\u00f6glich macht. Dabei gehen wir ungef\u00e4hr folgende Schritte:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Wann immer wir eine Stimme h\u00f6ren, die Kritik an uns \u00e4u\u00dfert, nehmen wir uns Zeit f\u00fcr sie, sobald dies m\u00f6glich ist. Das kann, muss aber nicht im Rahmen einer Focusing-Sitzung sein. Im Grunde ist jede Umgebung geeignet, in der man sich sicher f\u00fchlt und ungest\u00f6rt ist. Sei es im Lieblingssessel, bei einem Spaziergang oder w\u00e4hrend man geistig anspruchslose Hausarbeit verrichtet.<\/li><li>In diesem Raum, den wir uns nehmen, begegnen wir der Stimme mit wohlwollender Neugier. Wir wollen sie kennenlernen. Herausfinden, wie wir sie wahrnehmen, wie sie klingt, welche Gestalt sie hat, welche Bewegung oder Geste mit ihr assoziiert ist. Was auch immer kommt.<\/li><li>Bei den ersten Malen kann es sein, dass sie zur\u00fcckhaltend ist. Sie ist gewohnt, nicht gemocht und abgelehnt zu werden und braucht vielleicht Zeit, um darauf zu vertrauen, dass wir jetzt wirklich f\u00fcr sie bereit sind. <\/li><li>Wenn wir, also wir selbst und die jeweilige Stimme, dann bereit sind, h\u00f6ren wir ihr mitf\u00fchlend zu und interessieren uns daf\u00fcr, welche Sorgen und \u00c4ngste sie bewegen. Wovor will sie uns besch\u00fctzen? Was w\u00fcnscht sie sich f\u00fcr uns? Wir versetzen uns in ihre Lage und sp\u00fcren es von innen heraus.<\/li><li>Und was, wenn wir das nicht k\u00f6nnen, weil wir w\u00fctend sind auf diese Stimme oder Angst vor ihr haben? Dann k\u00f6nnen wir uns dem in uns zuwenden, das Angst vor dieser Stimme hat und dem zuh\u00f6ren.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Wenn ich das damals schon gewusst und gekonnt h\u00e4tte, h\u00e4tte ich m\u00f6glicherweise folgendes erfahren:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Wenn mich der Besch\u00fctzer schwach und erb\u00e4rmlich nannte, war es das, was er bef\u00fcrchtete, dass die (oder zumindest einige) Menschen denken w\u00fcrden, wenn sie erfahren w\u00fcrden, dass ich mich so tatenlos bel\u00e4stigen lie\u00df. Diese Menschen, so seine Angst, w\u00fcrden dann jeglichen Respekt vor mir verlieren. Und vielleicht w\u00fcrde es sogar so weit gehen, dass manche versuchen w\u00fcrden, mich ebenfalls zu missbrauchen, weil sie wussten, wie schwach und wehrlos ich in Wahrheit war. Deswegen musste dieser Besch\u00fctzer unbedingt daf\u00fcr sorgen, dass ich mich so sehr sch\u00e4mte, dass ich meine Unf\u00e4higkeit, f\u00fcr meine Grenzen einzustehen, unter allen Umst\u00e4nden vor aller Welt verbergen w\u00fcrde.<\/li><li>Gleichzeitig richtete sich die Wut dieses Besch\u00fctzers  nicht gegen mich (das tut sie nie), sondern gegen andere Teile. N\u00e4mlich gegen den Teil, der damals vor Schreck erstarrte und auch gegen den Teil, der mir damals geraten hatte, zu l\u00e4cheln. Der Besch\u00fctzer wollte unbedingt, dass diese Teile sich \u00e4ndern oder, wenn nicht anders m\u00f6glich, verschwinden. Einfach weil sie in seinen Augen ein gro\u00dfes Sicherheitsrisiko darstellten. Das, was geschehen war, sollte unter keinen Umst\u00e4nden noch einmal geschehen.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Wenn ich das erst einmal wirklich verstanden h\u00e4tte, h\u00e4tte ich aufrichtig sagen k\u00f6nnen: &#8222;Kein Wunder, dass Du so panisch warst und Dich immer so deutlich bei mir gemeldet, um darauf aufmerksam zu machen!&#8220; Und dann w\u00e4re es h\u00f6chste Zeit gewesen, mich endlich dem Teil in mir zuzuwenden, der den Eindruck hat, dass es gef\u00e4hrlich ist, wenn ich f\u00fcr meine Grenzen einstehe und dass die Bed\u00fcrfnisse und W\u00fcnsche der anderen schwerer wiegen als meine eigenen.<\/p>\n\n\n\n<p>Soweit von mir. Solltest Du Interesse haben, mehr \u00fcber Besch\u00fctzer, Verteidiger und das Kleine zu erfahren, lade ich Dich ein, die <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/focusingresources.com\/category\/untangling-musings\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/focusingresources.com\/category\/untangling-musings\/\" target=\"_blank\">&#8218;Untangling&#8216;-Artikel<\/a> von Ann und Barbara zu erkunden oder, solltest Du bereits fortgeschrittene Focuser sein, Dich \u00fcber ihren <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/focusingresources.com\/learning\/getting-free-a-year-of-untangling\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/focusingresources.com\/learning\/getting-free-a-year-of-untangling\/\" target=\"_blank\">Kurs<\/a> zu informieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bedanke mich herzlich f\u00fcr Deine Aufmerksamkeit und bin ich neugierig auf Dich und Deine Resonanz. Welche Gedanken, Gef\u00fchle und andere Eindr\u00fccke hast Du w\u00e4hrend des Lesens in Dir wahrgenommen? Falls Du sie teilen m\u00f6chtest, kannst Du sie gerne in die Kommentare schreiben oder mir eine E-Mail (<strong>julia (at) focusing-reise punkt de<\/strong>) zuschicken.<\/p>\n\n\n\n<p>Viele liebe Gr\u00fc\u00dfe,<br>Julia<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Lesezeit: ca. 15 Minuten) Die Bestrebung, unsere Anteile in Kategorien einzuteilen und ihnen eing\u00e4ngige Namen zu geben, ist wohl ebenso alt wie das Denken \u00fcber die Anteile selbst. Besonders vertraut ist uns wohl das Modell, das Siegmund Freud 1923 in der gleichnamigen Schrift &#8222;Das Ich und das Es&#8220; ver\u00f6ffentlichte. 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